Es ist immer irgendwas.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon darüber geschrieben habe, dass das Leben kein Sonntagsverdauungshatscherl im lauen Sommerabendlicht ist. Seit dem 26. April 2016 und eigentlich auch schon davor weiß ich, dass das Leben eher ein Gewaltmarsch mit Magenschneiden, Sodbrennen und Diarrhoe gleichzeitig ist.

Es.ist.immer.irgendwas.

Immer. Und ich warte schon seit Beginn des Gewaltmarsches so dringend auf ein Pausenbankerl oder ein Klo oder beides, damit mal ein bisserl Ruhe einkehrt. Ich meine nicht das Durchschnaufen, wenn meine kleine Welt zwischendurch mal kurz inne hält. Ich meine was langfristig Langweiliges. Eine richtig dürre Durststrecke an Ereignissen. Ein Verdauungshatscherl ohne Rülpser oder Rumpler im Bauch, einfach nichts.

Es.ist.einmal.nichts.

Das wäre wirklich schön. Eine Ode an die Öde. Die würde ich wirklich gern schreiben. Nicht nur für mich, sondern für jeden, der will. Denn ich bin mir sicher, dass das Leben für jeden einzelnen Prügel bereit hält, mal größere, mal kleinere, aber irgendwas ist immer. Immer.

Wenn ich mir das Bild von uns so anschaue, dann beneide ich meine Kinder. Sie sind so sorglos, so voller Vertrauen, dass wir Eltern alles für sie gebacken kriegen. Dabei ist der Ofen für uns manchmal aus. Wir können nicht mehr, sind kraftlos, voller blauer Flecken und müde. Dann erholen wir uns wieder, kurz nur, bis uns der Teufel erneut nach seiner Pfeife tanzen lässt. So furchen sich die Falten in unsere Gesichter und fressen sich unsere Speicher leer.

Ich finde, dagegen gehört viel mehr protestiert. Ich will fad! Ich will nichts! Ich will niemanden behelligen und unbehelligt meiner Wege gehen. Ich will die Gurken krumm und die Bananen gerade sein lassen und die Pudel bunt. Ich will ein Herz in mein Pausenbankerl ritzen und dann daheim berichten, dass das, genau das!, das einschneidendste Ereignis meines Monats gewesen ist. Ich will Menschen, die helfen und ich will Ungustl’n, die höchstens ihre eigenen Kreise stören.

Ich kann einfach nicht verstehen, wieso auf unserem Weg nicht schon genug Steine liegen. Manchmal habe ich Angst, dass uns die Kraft ausgeht. Doch dann schaue ich auf dieses Bild von uns, das uns genauso drunter und drüber zeigt, wie wir sind und ich weiß, dass Aufgeben nicht drinnen ist. Da sind drei Kinder, die darauf vertrauen, dass ihre Eltern alle Prügel einstecken. Die davon überzeugt sind, dass ihre Eltern alles gebacken kriegen. Da legt man dann doch noch ein Scheiterl nach. Denn der Ofen ist anscheinend noch lange nicht aus. Sch*** auf die Falten!

(Foto by Daniel Waschnig Photography)

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4 Antworten auf „Es ist immer irgendwas.“

  1. Es ist einfach immer wieder erstaunlich und bewundernswert, wie du deine Gedanken und Gefühle beschreibst und uns an deinem Leben teilhaben lässt. Man möchte immer noch weiterlesen 🙂

    Möge dir die Lust am Schreiben und Erzählen nie abhanden kommen!

    Alles Liebe
    Christine




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  2. oooooch gudrun…NICHTS wär manchmal echt schön 😍
    nicht um eine bestimmte uhrzeit aufstehen
    nicht zsammgrichtet ausschauen
    nicht für alle alles organisieren
    nicht mit grantigen menschen zu tun haben
    nicht dies – nicht das….aber – i glaub 😊 mit NICHTS wär’s uns dann doch bald auch wieder fad…

    deshalb – tu NICHTS solange du zum NICHTS TUN zeit hast…😜😘




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  3. Ich wünsche mir auch diese Öde.
    Lang, unbeeindruckend und so wunderschön eintönig soll sie sein!!! Ich mag auch keine Prügel mehr zwischen den Beinen, auch wenn sie manchmal nur klein sind. Ich bin dabei, wenn du dagegen protestierst. Hauen wir alle Prügel auf an Haufen und zünden wir sie an….
    Schön wärs…..doch leider – nur ein Teaum
    Ich wünsche dir, dass deine Prügel ab jetzt nur mehr kleine Steckerl sein werden 🌻🌼🌷




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  4. Ich kann dir da nur vollsten zustimmen. Dagegen hätte ich auch so überhaupt nichts einzuwenden. Vor einem Jahr hab ich mir auch gedacht: Jetzt haben wir über ein Jahr lang zwei Häuser hingebaut, daneben unser Unternehmen geführt, für die Kinder Sachen genäht, die sie sich gewünscht haben, die Großen im häuslichen Unterricht unterstützt. Dann bin ich plötzlich wieder schwanger und alles geht doppelt so langsam, dann stirbt uns das eigentlich gesunde Kind zwei Wochen nach der Geburt weg, der nächstgrößere stopft sich Schwarzbeeren in die Nase, der Große bekommt von der Mittleren einen Tritt ins Gemächt, dass ihm die Luft wegbleibt, unsere Klienten wollen die Bilanzen lieber gestern als morgen und das alles bitte zwischen Beerdigung des Babys und den üblichen Sommeraktivitäten. Ach ja, und Mama, bitte WANN machen wir denn jetzt endlich unser Sommerfest? Nein, du hast absolut recht, Gudrun, FAD wär jetzt echt mal schön <3 … Danke für deine wie immer absolut zutreffenden Worte, du bist einfach ein Hit!




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