Die Gosse, George und der Genuss von Eis.

Das Leben ist so abschüssig. Egal, an welchem Punkt man steht, es geht immer entweder auf oder ab. Einen Ort der perfekten Balance findet man so selten, wie „das eine“ Sandkorn im Küberl. Plumpe Postkartenphilosophie für die einen, für die anderen ein Lied, wovon sie täglich ein G’stanzl summen könnten. Ich zum Beispiel.

Egal, wo ich stehe, es geht meistens auf oder ab. In meinem Fall bedeutet dies: ab. Ob ich nun himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt drauf bin, ist Wurscht, mit mir geht es abwärts.

Ein Beispiel: ich rolle durch einen Laden, bleibe spontan stehen, um einen verlockenden Artikel zu begutachten und rolle entweder weiter oder rückwärts. Den perfekten Untergrund gibt es nur selten, meist hat Gott, wenn auch fürs Auge völlig unsichtbar, die Estriche dieser Welt schief erstarren lassen. Gott weiß warum. Ich jedenfalls nicht. Daher, wenn ich nicht sofort die Bremsen einlege, rolle ich. Ganz oft rückwärts wo hinein oder vorwärts wo dagegen. Oder umgekehrt.

Mein Lieblingsbeispiel im Sommer: Ich stehe vor der Eistheke, lasse mein Getriebe los, um mein Eis entgegen zu nehmen, vergesse in der Eile zu bremsen und rolle stattdessen dem Eisgenuss rückwärts davon. Steht die Eisdiele direkt an einem Gehsteig, wird es brenzlig. Man landet verdammt schnell in der Gosse. Jeder, ausnahmslos jeder Gehsteig der Welt hängt. Das merkt man erst, wenn man im Rolli sitzt. Und für jemanden, die im Fahren ohnehin kein Eis essen kann, weil beide Hände zum Gehen gebraucht werden, kann so ein Eisessen sehr schnell zum Stressessen werden. Außer, ich lege immer und überall sofort die Bremsen ein. Aber dafür müsste ich das Eis auch wieder loslassen. Meine Freundin sagt in letzter Zeit an so einem Punkt gern „Merkst was?“ Ja, merke ich. Mein Leben ist kompliziert.

Darf ich das Eisbeispiel noch ein bisschen genauer erörtern? Keine Sorge, ehe der Sommer ganz vorüber ist, bin ich fertig.

Nicht nur angesichts unserer abschüssigen Welt ist mein Eisleben kompliziert. Es ist es auch auf Grund der unzähligen koordinativen Verkettungen, die ich allesamt neu einstudieren und automatisieren musste.

Sagen wir, ich bin allein in der Hitze des Tages unterwegs und will dieses verdammte Eis. Ich fahre an die Eistheke, vergesse endlich einmal nicht zu bremsen, bestelle und nehme das Eis entgegen. Erster Fehler. Erst zahlen, dann nehmen! Also das Eis erstmal dem Verkäufer retour in die Hand drücken und das Geldgeschäft erledigen. Bin ich der begehrten Tüte dann endlich habhaft geworden, geht der Kummer so richtig los. Wer schon mal versucht hat, seine beiden Rollibremsen mit Tüte in der Hand zu lösen, ist die Kugeln noch vor dem ersten Schlecker los. Also erst eine Bremse gelöst, Rolli dreht sich (weil Boden mit Sicherheit abschüssig), Eis in die andere Hand, zweite Bremse gelöst. Nun rolle ich endgültig. Und ich tu gut daran, mit der eisfreien Hand (!) schnell des Interieurs oder eines Türrahmens oder eines Pfostens oder eines sonstigen Felsens in der Brandung habhaft zu werden, denn ansonsten: Gosse. Oder ich rausche woanders hinein, ist ja egal. George Clooney war noch nie dabei beim Hineinrauschen. Schade. Nicht einmal annähernd theoretisch. Ich würde ihm gern 1x Pistazie in den Schritt drücken. Soll Amal mich ruhig amal verklagen auf das hinauf, das wäre mir sogar die Gosse wert. Aber, ich sehe, ich schweife ab…

Langer Rede, wenig Sinn: angesichts einer solchen von vornherein zum Scheitern verurteilten Eiszeit, ist es zehnmal gescheiter, sich in Italien an den Strand zu legen, die Welt vom Liegestuhl aus zu betrachten und sich vom Flo mit kiloweise Eis am Stiel beliefern zu lassen. Das hat Stil und da rollt dann nix mehr. Keine Kugeln in den Sand und ich nicht in die Gosse. Und George Clooney hätte neben mir auch noch Platz auf der Liege. Theoretisch.

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2 Antworten auf „Die Gosse, George und der Genuss von Eis.“

  1. Das du an einen George Clooney denkst, wenn du einen Floh hast😋.
    Genieße bitte das Rauschen des Meeres und den Sand in allen Ritzen für mich mit. Habe gerade meinen ersten Sommer ohne Meer und Sandstrand fast hinter mir und vermisse es sehr.
    Nina

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