Writer’s block…

„Eine Schreibblockade ist ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten die Autoren dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage sind zu schreiben.“ Das weiß Wikipedia. Ich weiß, dass ich jetzt schon seit Tagen vor dem Computer sitze und nichts mehr weiß. Mein Kopf ist leer. Es scheint, als hätte der ständige Regen alle Gedanken, Ideen und Wörter aus meinen Gehirnwindungen geschwemmt.

Dabei könnte ich ewig über das elende Wetter lamentieren. Oder darüber, dass der Sommer so zack vorüber war, ohne sich zu verabschieden. Ein Witz, wenn man mich fragt. Oder die Kälte! Wo kommt die her, zum Teufel? Ein September hat golden zu sein und knusprig warm untertags und von mir aus kühl am Abend. Mein September wäre ein „Septemba“, ohne „r“, noch zum draußen barfuß Laufen, zum Sommerbräune spazieren Führen und zum Drehen der letzten Runden im See. Ein SeptembeRRR zum Kellerauspumpen, Zwiebellook Tragen, zum Teetrinken, den ersten Schnee Sehen und Rotznasen Putzen ist einfach nur für die Tonne. Kein Wunder, dass mir da die Worte fehlen.

Ich könnte auch lang und breit über den Rollstuhl schimpfen. Und die ewige Sitzerei, die manchmal so nervt, dass ich schreien könnte. In diesem September mit „R“ fühle ich mich querschnittgelähmter als sonst. Ich genieße jede Sitzpause, die ich kriegen kann. Dann liege ich auf der Couch, lang, wie Gott mich schuf und wundere mich, dass meine Zehen SO weit weg sind. Auch die gestauchte Wirbelsäule klappert und klackert genüsslich auseinander, dass ich es innerlich hören kann. So vergesse ich für ein paar Minuten auch den Ameisenkrieg nabelabwärts, der sich anfühlt, als hätte man mir die Haut abgezogen. Und zu meinem Glück springt der Kater, der eben noch den leeren, vorgewärmten Rolli für sich beansprucht und mit giftigem Gesicht verteidigt hat, doch noch auf meinen Bauch, kuschelt sich ein und schnuRRt dem September das „R“ einfach weg.

Überhaupt, Livio… das Katerchen ist eigentlich das Beste am Herbst. Sobald die Tage kürzer, kühler und kahler werden, kommt er herein. Den ganzen Sommer über ist er draußen, scheu und kaum zu fangen. Doch dann kommt er kuscheln. Und wie! Er springt auf den Schoß, verteilt energische Nasenstüber, wenn man es wagt, mit dem Streicheln aufzuhören, vergräbt sein Köpfchen in der Ellbogenbeuge und schnurrt sich einen Wolf. Er findet es ursuper, dass mit mir permanent ein Schoß zur Verfügung sitzt. Ist er „satt“, verzieht er sich auf die Couch, legt sich auf den höchsten Kissenstapel und verpennt den ganzen restlichen Tag.

„…Schreibblockaden [lassen sich] im Allgemeinen gut überwinden. Erfahrenen Schreibern gelingt dies meist ohne fremde Hilfe.“ Das weiß Wikipedia. Ich weiß, dass wenn einem die Worte fehlen, man nur ein paar gute Gründe zum Schimpfen braucht. Denn auch wenn der Regen alle Gedanken, Ideen und Wörter aus den Gehirnwindungen schwemmt, maulen geht immer. Ist man damit nämlich erst so richtig schön in Fahrt, lichten sich die Wolken, reinigen sich Himmel und Herz und man sieht es wieder, das kleine Glück. Und wenn es auch nur die genüsslich klappernde Wirbelsäule ist, ein vergessener Ameisenkrieg, oder die Entfernung der eigenen Zehen.
Oder ein kleiner, schnurrender Kater namens Livio.

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2 Antworten auf „Writer’s block…“

  1. Du hast so RRRecht und es in so schöne warme Worte verpackt! Und wenn ich dir in Gedanken so zuhöre, vergesse ich meine kleinen Weh’s und Ach’s, die verglichen mit Dauersitzen (müssen) und Ameisenkrieg ganz schnell ihre Bedeutsamkeit verlieren und sich aus meinem Hirn und Herzen schleichen. Danke für diesen Sonnenstrahl am Regentag ❤️

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