Die Welt von oben.

Boah. Ich war ganz schön hoch oben. Ich hab schon vergessen, wie anders alles von meiner Ex-Aussicht aussieht. Freunden sei Dank steht seit gestern ein Steh-Pult bei uns herum, das es mir endlich wieder erlaubt, Höhenluft zu schnuppern.
Peter staunt nicht schlecht über seine große Mutter und weiß nicht recht was anzufangen damit, dass mein Schoß plötzlich vertikal und mitsamt dem Rolli weg ist. Der große Bruder „fliegt“ kurzerhand rauf zu mir und halst mich begeistert. Danach traut sich endlich auch der kleinere Superman nach oben. Auge in Auge schmust es sich eben doch leichter.
Für mich ist die alte Perspektive schockierend neu. War bzw. bin ich wirklich so groß? Kaum zu glauben. Auch mein Blut sackt erschrocken nach unten und hinterlässt ein schwummriges Gefühl in Kopf und Bauch. Zum Glück kann ich mich anhalten. Nach einer Weile gewöhne ich mich aber an die dünne Luft und stelle fest, dass das Stehen nicht nur den unbeanspruchten Knochen gut tut. Sich wieder zur alten Größe aufrichten zu können ist auch ganz außerordentlich erbaulich fürs Gemüt. Das Geherze meiner charmanten Tischgesellschaft gibt mir den Rest. Ich bin ein Stehaufweibchen! Gut zu wissen. Gut zu haben. Danke Alex! Danke Dani!

Der liebe Gott heißt Maia’ofa.

Die Unterhaltungen mit Peter werden immer tiefschürfender. So lustig das mitunter auch sein kann, manchmal hallen seine ausgesprochenen Gedanken noch lange bei mir nach…

Peter: „Mutti, wie lange bauen sie noch unser neues Haus?“
Ich: „Das wird noch ein paar Monate dauern, Peter. Also leider noch ganz ganz oft schlafen, bis es fertig ist.“
Peter, nach einer längeren Nachdenkpause: „Mutti, wenn die Bina tot ist, dann wohnen wir im neuen Haus.“
Ich: „Na ja, wenn die Bina einmal stirbt, dann wohnen wir hoffentlich schon ganz ganz lange im neuen Haus.“
Peter beharrt darauf: „Aber wenn sie stirbt, die Bina, ist das neue Haus fertig.“ „Der liebe Gott heißt Maia’ofa.“ weiterlesen

Kleiner Mann, große Grube.

Peter und Leo sind in ihrem Element. Dreck, Buddeln, Bagger – mehr Action, mehr Spielplatz geht nicht. Für uns hingegen fühlt es sich an, als ob jede LKW-Ladung Schotter, die aufgeschüttet wird, direkt von unseren Herzen rumpelt. Endlich ist der Startschuss gefallen, endlich nimmt der Traum vom barrierefreien Daheim erste Formen an.

Ich werde regelmäßig von den Baufortschritten berichten, aber nicht nur. Viel wichtiger als bautechnische Details und sichtbare Fortschritte sind die Zustände dahinter. Werden auch wir als Familie wachsen oder kriegt uns das riesige Projekt Haus klein? So ein Vorhaben zu stemmen ist schwer genug, selbst wenn man nicht selber schaufelt, betoniert, sägt und mörtelt. Meine Prognose ist jedoch optimistisch. Ich halte mich einfach an Bob, den Baumeister. Yo, wir schaffen das!

Schlimmeres. Weit Schlimmeres.

„Mutti, kannst du den Veissraluss zumachen?“ Peters Buchstabenverwurschtelungen sind manchmal zum Anbeißen süß. Oder diese unbarmherzige Ehrlichkeit. Letztens im Kindergarten erzählt er mir im Beisein seiner Pädagoginnen stolz, dass er heute „ins Klo gesissen“ hat. Am nächsten Tag rügt mich das selbe Kind, dass man „Seisse nicht sagen darf“. Na, von irgendwem muss er es ja haben! „Schlimmeres. Weit Schlimmeres.“ weiterlesen