Der liebe Gott heißt Maia’ofa.

Die Unterhaltungen mit Peter werden immer tiefschürfender. So lustig das mitunter auch sein kann, manchmal hallen seine ausgesprochenen Gedanken noch lange bei mir nach…

Peter: „Mutti, wie lange bauen sie noch unser neues Haus?“
Ich: „Das wird noch ein paar Monate dauern, Peter. Also leider noch ganz ganz oft schlafen, bis es fertig ist.“
Peter, nach einer längeren Nachdenkpause: „Mutti, wenn die Bina tot ist, dann wohnen wir im neuen Haus.“
Ich: „Na ja, wenn die Bina einmal stirbt, dann wohnen wir hoffentlich schon ganz ganz lange im neuen Haus.“
Peter beharrt darauf: „Aber wenn sie stirbt, die Bina, ist das neue Haus fertig.“Das war im Auto auf dem Weg zum Friseur. Wie unsere Unterhaltung geendet hat, kann ich leider beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren. Dafür werde ich ein anderes Geplauder nicht so schnell vergessen. Anmerkung am Rande: Zu dem Zeitpunkt war ich schon sehr müde.

Peter: „Mutti, warum bist du in einem Rollstuhl?“ Ich weiß nicht, wie oft ich ihm diese Frage schon beantwortet habe, er scheint bislang keine meiner Antworten akzeptiert zu haben. Er fragt immer und immer wieder. Also versuche ich es mal mit einem anderen Ansatz…
Ich: „Weil sich der liebe Gott das für mich so ausgedacht hat. Er wollte, dass ich etwas lerne.“
Peter: „Wieso was lernen?“
Ich: „Das weiß ich nicht. Das musst du schon den lieben Gott fragen.“
Peter: „Welcher liebe Gott?
Ich: „Das ist der Herrgott im Himmel, der immer auf uns aufpasst und an den ich ganz fest glaube.“
Peter: „A ist das der Maia’ofa?“
Ich: „Ich weiß nicht, wie der liebe Gott heißt, Peter, aber ich bin mir sicher, er heißt nicht Maierhofer.“

Bestimmt hat Petzi einige der Informationen der letzten Zeit etwas miteinander versprudelt, was aber dann mitunter dabei herauskommt, ist eine kleine Notiz definitiv wert.

Meine Mutter hat zu meiner Zeit jeden erinnerungswürdigen Sager von meinem Bruder und mir in einem Jahreskalender aufgeschrieben. Das macht sie auch jetzt bei ihren fünf Enkeln so. Sie hat schon eine ganze Enzyklopädie daheim stehen. Ich hab sie vor meinem inneren Auge, die grünen Buchrücken mit den chronologisch geordneten, mit Edding geschriebenen Jahreszahlen darauf. Ich weiß genau, welch eine geballte Ladung an Gefühlen und Erinnerungen und Tränen aus diesen Notizen auf mich einstürmen und aus mir herausströmen werden, wenn ich diese grünen Jahreskalender einmal in Händen halten werde.

Meine Erinnerungshilfe der Wahl ist digital. Der Vorteil: mit Handy und Co. habe ich mein Notizbuch stets bei mir und kann jede Äußerung direkt am Ort ihrer Tätigung aufschreiben. Der Nachteil: bei einem Computercrash oder einem gezielten Handyweitwurf in eine größere Wasseransammlung sind die Erinnerungen Geschichte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hier in der Plaudertasche sind die kleinen Wortdiamanten aber sicher. So oft hört und liest man im negativen Sinne, dass das Internet nichts vergisst. Stimmt. Man könnte es aber auch so betrachten: das Internet hilft mir, Wichtiges nicht zu vergessen.

Denn ich bin mir sicher, dass ich kurz vor meinem Tod im hohen Alter nicht mehr weiß, dass ich den Schöpfer, dem ich gleich gegenüber zu treten habe, mit „Herr Maierhofer“ anzureden habe.

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